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Therapie

Rückenschmerzen: die Ursache finden statt den Schmerz zu dämpfen

6 Min. Lesezeitvon Anne Schultz
Physiotherapeutin tastet die Lendenwirbelsäule einer Patientin ab, um die Ursache der Rückenschmerzen zu finden

Fast jeder hat irgendwann Rückenschmerzen. Die meisten warten ab, nehmen eine Tablette, legen ein Wärmekissen auf. Das ist nicht falsch, es beantwortet nur nicht die eigentliche Frage: Warum tut es überhaupt weh? Ohne diese Antwort kommt der Schmerz zurück, oft an derselben Stelle.

Woher der Schmerz kommt

Rückenschmerzen haben selten einen einzigen Auslöser. Meistens kommt mehreres zusammen: einseitige Belastung, zu wenig Bewegung, eine Muskulatur, die der Belastung nicht gewachsen ist, dazu Stress, der die Spannung zusätzlich hochhält. Was mir in der Praxis am häufigsten begegnet:

  • Verspannte Muskulatur nach langem Sitzen oder wiederholter einseitiger Arbeit.
  • Fasziales Gewebe entlang der Wirbelsäule, das seine Gleitfähigkeit verloren hat.
  • Bandscheiben, die vorgewölbt sind oder auf eine Nervenwurzel drücken.
  • Verschleiß an den kleinen Wirbelgelenken.
  • Eine schwache Rumpfmuskulatur, die die Wirbelsäule nicht ausreichend stabilisiert.

Ein Befund im MRT erklärt dabei nicht automatisch den Schmerz. Ich sehe regelmäßig Aufnahmen mit deutlichem Verschleiß bei Menschen, die beschwerdefrei sind, und unauffällige Bilder bei Menschen mit starken Schmerzen. Deshalb taste ich lieber selbst und schaue, wie Sie sich bewegen.

Warum Tablette und Wärme nicht reichen

Schmerzmittel und Wärme senken die Schmerzintensität. In der akuten Phase ist das sinnvoll, weil Sie sich dann wieder bewegen können, und Bewegung ist bei Rückenschmerzen fast immer der bessere Weg als Schonung. Nur ändert beides nichts an der Belastung, die den Schmerz erzeugt hat. Sobald die Wirkung nachlässt, ist der Ausgangszustand derselbe.

In fünfzehn Jahren Berufserfahrung habe ich gelernt, dass die Befundung mindestens so viel entscheidet wie die Behandlung selbst. Wenn ich nicht verstehe, woher die Spannung kommt, behandle ich am Symptom entlang. Deshalb dauert der erste Termin bei mir länger, als viele erwarten.

Was manuelle Therapie leistet

Mit gezielten Handgriffen mobilisiere ich Gelenke, die sich zu wenig bewegen, löse verhärtete Muskulatur und bringe das Gewebe wieder in Bewegung. Der Effekt ist meist unmittelbar spürbar, er hält aber nur, wenn die Muskulatur die neue Beweglichkeit auch tragen kann. Manuelle Therapie und Krafttraining für den Rumpf gehören deshalb zusammen. Eines allein bringt Sie nicht weit.

Wenn der Schmerz nicht dort sitzt, wo er entsteht, arbeite ich mit der MyoFaszial-360°-Therapie entlang der gesamten Kette. Ein steifer unterer Rücken hat seinen Ursprung öfter in der Hüfte oder im Sprunggelenk, als man vermuten würde.

Was Sie selbst tun können

Der größte Hebel liegt nicht in der Praxis, sondern in dem, was Sie zwischen den Terminen tun. Das ist die unbequeme Wahrheit an der Sache. Zehn Minuten am Tag bringen mehr als eine Behandlungsstunde pro Woche.

  • Beim Sitzen alle 30 bis 45 Minuten aufstehen und die Position wechseln. Ein paar Schritte gehen, im Stehen telefonieren, das reicht schon.
  • Rumpf und Rücken kräftigen, lieber kurz und mehrmals pro Woche als einmal lang. Eine belastbare Muskulatur schützt die Wirbelsäule nachhaltiger als jedes Dehnprogramm.
  • Den Arbeitsplatz anpassen: Bildschirm auf Augenhöhe, Unterarme aufgelegt, Füße flächig am Boden.
  • Bewusst in den Bauch atmen. Ein verspanntes Zwerchfell steckt öfter hinter Rückenbeschwerden, als die meisten vermuten.
  • Auf Schlaf achten und den Stresspegel senken, beides wirkt direkt auf die Muskelspannung.
  • Ausdauer aufbauen, die den Gelenken nichts abverlangt. Nordic Walking eignet sich dafür gut, Schwimmen und Radfahren genauso.

Wann Sie in die Praxis kommen sollten

Halten die Schmerzen länger als zwei bis drei Wochen an, kommen sie in kurzen Abständen wieder oder strahlen sie ins Bein aus, sollten wir uns das genauer ansehen. Taubheitsgefühle, Kraftverlust im Bein oder Probleme beim Wasserlassen gehören sofort ärztlich abgeklärt, das ist kein Fall für die Physiotherapie.

Rückenschmerzen sind gut behandelbar. Voraussetzung ist, dass wir die Ursache kennen und nicht nur die Stelle, die wehtut.

In meiner Privatpraxis nehme ich mir für den Befund die Zeit, die er braucht. Wenn Sie unsicher sind, ob eine Behandlung bei Ihnen sinnvoll ist, rufen Sie an. Das klären wir in fünf Minuten.

Passt das zu Ihren Beschwerden?

Ein Artikel ersetzt keine Untersuchung. In der Praxis schaue ich mir an, woher Ihre Beschwerden kommen, und wir besprechen in Ruhe, was dagegen hilft.